Verdammt viel Strom

Betriebsbesichtugung im "chicen" Sicherheitsoutfit und Begleitung von Alexandra Hanf aus meinem Wahlkampfteam.

Die Straße heißt nach dem Produkt: Aluminiumallee. Die Hausnummer ist Programm: Nr. 1. Das will man auch sein unter den Alu-Produzenten. Hier im Essener Nordwesten steht alles unter Strom. Verdammt viel davon.

Die 360 Elektrolyse-Öfen verbrauchen mehr Strom als die gesamte Stadt Essen. Erzeugt werden rund 200.000 Tonnen Aluminium im Jahr. Stellt sich die Frage, ob solch energiehungrige Industrie ökologisch nicht Old Economy und damit unverantwortbar ist.

Um es gleich zu sagen: Wir brauchen die Hütte hier, an diesem Standort. Und es ist keine „alte Kiste“.

1.875 Beschäftigte weist der Geschäftsbericht 2012 aus für die gesamte trimet AG, 660 davon arbeiten in Essen, darunter auch 36 AZUBI. Weitere über 2.000 Beschäftigte sind in der weiteren Wertschöpfungskette tätig, in der das silbrige Metall weiter verarbeitet wird.

Das ist das eine Argument, Deutschland, NRW und vor allem diese Region muss Industriestandort bleiben. Wie hat doch der einstige NRW-Umweltminister Klaus Matthiessen so treffend formuliert: „Wir können nicht eine Gesellschaft werden, in der wir uns alle gegenseitig Geld leihen oder die Haare schneiden.“ Recht hatte er.

Doch das zweite Argument ist bereits ein ökologisches. Bei der Alu-Verhüttung fallen Fluorwasserstoffe an. In anderen Ländern werden diese einfach in die Luft gepustet, in Deutschland geht das nicht. Die Stoffe werden herausgefiltert, übrigens über aufgeschäumte Filter aus Alu.

Ein Drittes: Momentan wird erprobt, die Leistung, mit der die Öfen gefahren werden, 20% nach oben und unten schwanken zu lassen. Bei einem großen Angebot grünen Strom aus Wind und Sonne, geht man an die obere Grenze, wird aller Strom im Netz gebraucht, regelt man herunter bis auf 80%. So wirkt der Großstromabnehmer im Netz wie eine riesige virtuelle Batterie. Insofern wird die Aluhütte in Zukunft ein nicht unwesentliches Modul im Stromnetz sein, um die Produktionsschwankungen, die mit Zunahme der Anteile aus erneuerbaren Energien immer großer werden, sinnvoll auffangen zu können. Die Alu-Fabrik als Volatilitätsglätter sozusagen.