ABZ – Ausbildung seit 1927

Übungen in DIN 1052 – Holzverbindungen.

ABZ steht für Ausbildungszentrum. Ganz genau heißt die Einrichtung: Ausbildungszentrum des Berufsförderungswerkes der Bauindustrie NRW e.V. Beim Rundgang treffen wir in einer der Hallen auf eine Gruppe angehender Tiefbauer, die soeben in einem Graben eine Abwasserrohrleitung verlegt haben. Der Anleiter erläutert an einer Whiteboardtafel, wie stark das Gefälle sein muss. Nachmessen. Und alles ist okay.

Es geht um Praxis und Theorie. Beides so breit gefächert, wie die Gewerke am Bau nun mal sind. „Wir bilden breit aus. Das geht nur in einem zentralen Zentrum wie hier bei uns“, stellt Dr. Garstka, Geschäftsführer der Einrichtung fest. Er ist wegen meines Besuches extra aus Düsseldorf angereist. Mit dem Leiter des Essener ABZ, Dr. Bässler, erläutert er mir die Ausbildungsphilosophie des Bauhandwerks.

700.000 Mitarbeiter gibt es in den Betrieben des Bauhandwerks bundesweit. Die Ausbildungsquote liegt bei 10%, das ist beachtlich. Das Grundprinzip ist ebenso einfach wie angemessen. Da die Einzelbetriebe oft sehr spezialisiert sind, ist es nicht möglich, in der Breite der am Bau notwendigen Aufgaben auszubilden. „Da setzt dann ein Azubi drei Jahre Rigips-Wände und ist am Ende ein Top-Trockenbauer. Doch wenn er den Betrieb wechseln will, hat er im neuen, der was anderes am Bau macht, große Schwierigkeiten. Deshalb setzt das Bauhandwerk seit Jahrzehnten schon auf überbetriebliche Ausbildung“, erläutert mir Dr. Bässler. Das klingt sehr überzeugend.

Wie das finanziert wird, frage ich. Das gehe über die SoKa, bekomme ich zur Antwort. „SoKa“? Mein fragender Blick reicht aus. SoKa steht für Sozialkasse Bau, Sitz in Wiesbaden. Eine Aufgabe ist, die überbetriebliche Ausbildung zu finanzieren. Das läuft nach einem verblüffend einfachen Prinzip: Alle Baubetriebe zahlen ein, ob sie ausbilden oder nicht. Davon werden die ABZ-Einrichtungen finanziert. Vorteil für alle: Sie bekommen Facharbeiternachwuchs (Facharbeiterinnen sind leider selten), die hervorragend ausgebildet sind.

(Politische) Fragen: Kann man dieses Grundprinzip nicht auf alle handwerklichen Ausbildungsberufe übertragen? Wäre es nicht sinnvoll, solche ABZ-Einrichtungen auch für andere Branchen zu haben, ebenso finanziert? Zumindest meine beiden Gesprächspartner denken, dass ihre Struktur übertragbar ist. Sie sind die Fachleute.