Keine „kleinen Sünderlein“

Nennen wir es beim Namen: Es gibt keine Steuersünder im verharmlosenden Sinne von Willy Millowitsch‘ Ohrwurm "Wir sind alle kleine Sünderlein", sondern das sind Steuerbetrüger, die unser Land, uns alle, bewusst und mit eiskalter Berechnung um das bringen, was allen gehört.

Diese Steuerbetrüger fahren hier auf Straßen, die wir alle bezahlt haben. Sie schicken ihre Kinder auf Schulen und Hochschulen, die mit unserem Steuergeld errichtet sind und unterhalten werden. Sie nutzen, allgemein gesprochen, die Infrastruktur eines Landes, das sie sich weigern nach ihren Kräften mit zu finanzieren.

Es ist auch falsch von "Steueroasen" zu sprechen. Auch da liegt Prantl hundertprozentig richtig. Das sind keine palmengeschmückten, romatisch zu verklärenden Südseeparadiese, sondern Orte des organisierten Verbrechens.

Auch die Tatsache, dass die Deutsche Bank allein über ihre Niederlassung in Singapur über 300 Trusts und Stiftungen gegründet hat, ist überaus dubios. Die Gründung von Firmen ist nicht illegal. Doch alle haben gewusst, dass diese nur einem Zweck dienen: Geld vor dem Finanzamt verschwinden zu lassen.In Booklets der Bank ist von "tax neutral environment" die Rede, also von steuerneutraler Umgebung, was nichts anderes heißt: Geht nach z.B. Mauritius, Steuersatz 15%, und euer Geld ist sicher vor dem deutschen Fiskus.Online-Booklett der Deutschen Bank

Es ist an der Zeit, etwas zu ändern. In einem großen Roman, eines großen Schriftstellers, den Buddenbrooks von Thomas Mann, gibt es eine Szene, in der der alternde Konsul Buddenbrook seinem Sohn, der die Firma übernehmen wird, den Rat auf den Lebensweg gibt, immer nur Geschäfte zu machen, die ihn bei Nacht ruhig schlafen ließen. Gemessen an dem dürfte eigentlich kein Deutsche-Bank-Manager mehr auch nur ein Auge zu tun. Zu befürchten ist allerdings, dass alle ganz wunderbar ruhen. Sorgen wir dafür, dass sie endlich aufwachen und ihre Nächte unruhig werden.