Das Equal-Pay-Modell

Die Technik, die man im Grobwalzwerk sieht, wirkt groß, massiv, mächtig, ein wenig grobschlächtig. Doch dahinter steckt eine Steuerung, die auf Hundertstel Millimeter die Tonnenschweren Brammen zu Blechen walzt; "flache Rohre" sagen einige scherzhaft. In mehreren Arbeitsgängen mit unterschiedlichem Walzdruck und ebenso unterschiedlichen Materialtemperaturen wird die molekulare Konfiguration ider Qualität erzeugt, die der Kunde später braucht.

Interessant das Leiharbeitsmodell, das 2005 zwischen Betriebsleitung und IG Metall entwickelt wurde und das mir der Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Lorenz erläutert. Die Regel Equal Pay wurde vereinbart, das heißt, die Leiharbeiter verdienen den gleichen Lohn wie die Stammbelegschaft. Die betriebliche Mitbestimmung ist zu 100% gesichert. Jedes Jahr wird ein bestimmter Teil der Leiharbeiter in feste Beschäftigungsverhältnisse übernommen. Auch das ist vertraglich zwischen den Tarifparteien vereinbart. Von 2005 bis heute sind rund 70 Mitarbeiter so in feste Anstellungen gekommen. Bei rund 400 Angestellten insgesamt eine durchaus stattliche Anzahl.

Das Modell zeigt, wie der seinerzeit beschworene „Klebeeffekt“ funktionieren kann. Mit diesem Effekt war gemeint, dass der, der auf Zeit in einem Betrieb tätig ist, beweisen kann, wie gut er ist und dann für immer „kleben bleibt“. Wie wir aus Untersuchungen wissen, funktioniert eben das nicht. Bei Salzgitter Grobblech in Mülheim ist das anders. Das Mülheimer Modell zeigt, welche Bedingungen erfüllt sein müssen. Erstens: Es muss Equal Pay gelten. Zweitens: Der Betriebsrat muss in der vollen Mitbestimmung sein. Drittens: Es muss eine „Klebequote“ pro Jahr vertraglich vereinbart sein. Genau das sind die Forderungen der SPD an eine Novellierung der Zeitarbeitsregeln. Im Mülheimer Betrieb wird also modellhaft vorgelebt, was die SPD bundesweit fordert. Die Mülheimer Praxis beweist, dass es geht und zwar nur so geht.