Inklusion – eine gesamtgesellschaftliche Generationenaufgabe

2, 7 Millionen in NRW sind behindert. Die Verkürzung der Inklusionsdebatte auf das Thema gemeinsamer Unterricht von Behinderten und Nichtbehinderten ist also eine zulässige Fokussierung.

Behinderte oder von Behinderung bedrohte Menschen erhalten Leistungen nach diesem Buch und den für die Rehabilitationsträger geltenden Leistungsgesetzen, um ihre Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu fördern, Benachteiligungen zu vermeiden oder ihnen entgegenzuwirken. Dabei wird den besonderen Bedürfnissen behinderter und von Behinderung bedrohter Frauen und Kinder Rechnung getragen.

So lautet § 1 der Sozialgesetzbuches IX. Vieles von dem dem, was heute im Zusammenhang mit der UB-Behindertenrechtskonvention diskutiert wird, ist im SBG IX aus dem Jahr 2001 bereits thematisiert und damit auch verbindliche Rechtsgrundlage in Deutschland.

Inklusion bedeutet im Kern die uneingeschränkte Teilhabe aller am gesamten gesellschaftlichen Leben. Barrierefreiheit meint eben nicht nur die realen Stufen, vor denen ein Rolli-Fahrer scheitert, sonder auch die Hindernisse und Hürden, die wir in unseren Köpfen haben.

Betrachtet man als einen Ausschnitt die Lage bei der gemeisamen Beschulung, findet sich Deutschland mit Belgien an letzter Stelle aller europäischen Staaten. Allzu sehr waren und sind wir darauf bedacht, Behinderte zu separieren, sie in be- und geschützte Räume zu geben. Schweizer und US-amerikanische Langzeitstudien zeigen, dass Menschen mit Behinderungen, wenn sie im Regelschulsystem beschult werden, dort bessere Abschlüsse erlangen und auch in ihrem späteren Leben deutlich erfolgreicher sind als Vergleichgruppen, die separiert beschult wurden.

Inklusion betrifft weit über Schule hinaus fast alle Bereiche des öffentlichen Lebens. Klar wurde in der Diskussion, dass eine inklusive Gesellschaft nicht sozusagen über Nacht entstehen kann. Vielfach war von einer Generationenaufgabe die Rede. Doch auch der weiteste Weg beginnt mit einem ersten Schritt.