Familienbildung ist mehr als PEKIP und Basteln

Eigentlich fehlt die Unterzeile: Kompetenzzentrum Familie.

Was Familienbildung ist, hat nicht jeder sofort parat. Gisela Kernspecht, sie betreut den Fachbereich „Aktives Älterwerden“, legt Wert darauf, dass auch das Älterwerden, die notwendige werdende Pflege, die leider auch auftretende Demenz Themen der Familienbildung sind, weil Familie eben den gesamten Lebenszyklus umfasst. Gerade in Mülheim, nach Chemnitz und Baden-Baden, „älteste“ Großstadt ist das ein zentrales Thema.

„Elternstart“, ein landesfinanziertes Programm für die teilnehmenden Eltern also kostenlosen Angebot für Mütter und Väter mit einem Kind im ersten Lebensjahr. Elternstart ist Teil des präventiven Politikansatzes, der darauf zielt, so früh wie möglich Unterstützung anzubieten. „Die Programme laufen gut“, resümiert Inga Schlemmer, zuständige Fachbereichsleiterin für den Bereich „Familie leben“. Nur die Ausführungsbestimmungen seien arg bürokratisch und in einigen Punkten eher hinder- denn förderlich. Was tun? Man solle, so Inga Schlemmer, eine Konzeption vorgeben, die Zielgruppe klar definieren, um dann den Einrichtungen vor Ort die Realisation und Abwicklung zu übergeben. „Schließlich ist Elternstart ein Angebot, das nur die anerkannten Familienbildungsstätten machen. Und wir werden ausgiebig geprüft und sind alle zertifiziert.“ Erkenntnis: Manchmal bedeutet weniger Bürokratie mehr Effektivität und auch Effizienz.

Im Vorwort zum Familienbericht der Stadt Mülheim zitiert die Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld ein afrikanisches Sprichwort: „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen.“ Eine Aussage, die Annette Sommerhoff, Leiterin der Evangelischen Familienbildungsstätte, sofort unterschreibt. „Wir arbeiten seit Jahrzehnten daran, Menschen zusammen zu bringen, Erfahrungen zu teilen, Erkenntnisse zu vermitteln. Das gelingt uns sehr gut. Wir sind die familienpolitischen Expert/-innen in der Stadt.“ Umso wichtiger wäre es, die Expert/-innen an der Jugendhilfeplanung unmittelbar zu beteiligen. Das ist nach Sozialgesetzbuch VIII, früher hieß das einmal Kinder- und Jugendhilfegesetz, gesetzlich festgelegt, wird aber in Mülheim bis dato nur unzureichend praktiziert. Da wünschen sich alle mehr Mitsprache.

Ein Wunsch noch zum Schluss? Ja, sicher: Die Buslinie 151 muss bleiben. Sie bringt viele Teilnehmer/-innen direkt vor die Haustür am Scharpenberg 1a. Bei diesem Wunsch stehen die Chancen gar nicht schlecht.