CDU-Vorsitzende prämiert „sozialistische Einheitsschule“

Die nun prämierte Anne-Frank-Schule in der 15.000-Einwohner-Kleinstadt Bargteheide, 40 Kilometer nördlich von Hamburg, ist eine integrierte Schule, die, wie jede Grundschule, alle Schülerinnen und Schüler aufnimmt, ohne sie nach Leistungsfähigkeit zu unterteilen. Im Flyer der Schule heißt es: Gemeinschaftsschulen sind das Bildungssystem der Zukunft. Jedes Kind erhält die faire Chance zu seiner bestmöglichen Weiterentwicklung. Die Schülerschaft ist bewusst heterogen. Das erzwingt einen veränderten Unterricht, der das Potential der Kinder besser ausschöpft. Die Gemeinschaftsschule passt zu jedem Kind. – Sie ist eine Schule für alle Kinder.“ Leistungsvielfalt in einer Lerngruppe stiftet schulischen Erfolg für alle, die Starken werden stärker, die Schwächeren erreichen höhere Abschlüsse. Eben dies ist Kern der Gesamtschulidee seit den 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts. Konservative haben diese Idee kulturkampfartig mit allen Mitteln versucht zu diskreditieren, haben den Untergang des Leistungsgedankens prophezeit, sollten sich je solche Schultypen flächendeckend durchsetzen. Jetzt verleiht die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende einer „sozialistischen Einheitsschule“ die höchste pädagogische Auszeichnung, adelt gleichsam diesen Schultyp als beispielgebend. Ist das späte Einsicht? Ist es politischer Opportunismus? Oder schlicht der Beleg, dass die Gesamtschulidee doch die bessere und für die alle Schülerinnen und Schüler die erfolgreichere ist?