Wirtschaft als Schulfach? – Ja aber.

Treffend stellt Heinz Lison fest, dass Wirtschaftskompetenz sozusagen zum „Überlebensrüstzeug“ gehören muss. Um das zu schaffen braucht es aber kein spezielles Fach Wirtschaft. Wer die Kernlehrpläne für die einzelnen Schulstufen in NRW liest, wird (hoffentlich zustimmend) zur Kenntnis nehmen, dass Wirtschaftskompetenz in den Lernbereich Gesellschaftslehre – Erkunde, Geschichte, Politik – durchaus prominent verankert ist. Und, das ist sicher, Wirtschaft findet nicht nur abstrakt in Form projizierter Kreislaufdiagramme statt, sondern wird methodisch angepasst altersgerecht mit der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler verbunden. Um eine potentielle Schuldenfalle sinnfällig werden zu lassen, muss nicht der Haushaltsplan der Stadt gewälzt werden, das lässt sich besser am Taschengeld-Haushalt einer 14jährigen Schülerin erklären.

Warum nicht ein spezielles Fach Wirtschaft, sondern die Einbettung in den größeren Wissenschaftskontext wie Politik, Geschichte, Geografie? Hier verhält es sich ganz ähnlich wie bei den Naturwissenschaften. Die gibt es in gleichsam reiner Form im Wissenschaftsbetrieb auch nicht. Weshalb eine rot-grüne Regierung einst das Fach konsequent interdisziplinär als Naturwissenschaft aufstellte. Die konservative Schulministerin Sommer (CDU) machte das mit dem Argument, die sollen was Anständiges Lernen, wieder zunichte. Sie vertrat seinerzeit ein Lehrplanverständnis, das seit dem legendären Wolfgang Klafki in der Didaktikmottenkiste eigentlich als verschwunden galt. Es geht eben nicht um „Stoff“ oder gar einen Kanon des Wissens, sondern um Kompetenzen und damit um Bildung. Die FDP-Forderung nach einem isolierten, kontextfreien Fach Wirtschaft ist verstaubte Didaktik aus der Mottenkiste. Es kann keine Wirtschaftskompetenz ohne politische Einordnung geben. Politische Einordnung ruht auf geschichtlicher Erkenntnis. Insofern erschließt sich Wirtschaft nur im Zusammenhang. Diesem Ansatz trägt NRW in seinen Kernlehrplänen durchaus Rechnung. Ein Blick in die bereits erwähnten Kernlehrpläne erweist sich daher als ebenso erhellend wie hilfreich.