Verdi macht Lärm

Sie machen zu Recht Lärm mit ihren roten Trillerpfeifen. Gummi soll Eisen ersetzen, sprich: Busse sollen Bahnen ersetzen. So zumindest die Forderung des Kämmerers und des Geschäftsführers der Beteiligungsholding.

Einige Aspekte sollte man dabei allerdings bedenken.

Nicht 50, sondern mindestens 160 Mio. € würden die Rückforderungen des Landes betragen, stellte man in Mülheim den Tramverkehr ein. Die Dümptener Umgehung, also die Mannesmann Allee, wurde vom Land im Rahmen der Beschleunigung der 102 auf der Mellinghofer Straße gefördert. Die 112, einzige Tram in Oberhausen und vom Hbf in OB bis Sterkrade auf einer nicht eben billigen Solotrasse fahrend, würde durch den Netzcut in Mülheim gleichsam auf kaltem Wege stillgelegt. Die Bezirksregierung nennt dies im Schreiben „ein nicht hinnehmbares Ergebnis“. Auch das dürfe Rückforderungen ergeben. Überschlägig sollte man eher mit 200 Mio., denn darunter rechnen.

Die „kalte Stilllegung“ der 112-Tram Oberhausen/Mülheim hätte auch Weiterungen in Bezug auf die mit 70 Mio. teure und vom Bund massiv geförderte Verlängerung der Essener Linie 105 von Unterfrintrop bis zum Centro O. Dieser Ast endete dann ohne Anschluss an Oberhausens Shopping-Center. Ein weiterer Hinweis, dass ein Netz eben ein Netz ist und man keine Teile isoliert betrachten darf.

Die Bezirksregierung hat die Stadt im August 2011 angeschrieben. Seinerzeit wurde schon einmal die These Gummi-billig, Eisen=zu teuer in der politischen Arena verhandelt. Damals wies die Bezirksregierung auch auf den Zusammenhang hin, dass es eine Landesförderung für die marode Thyssenbrücke nur dann geben werde, wenn weiterhin das Schienennetz der 112 darüber ginge. Landesverkehrsminister Groschek hat bei seinem Vor-Ort-Termin an der Thyssenbrücke im Mai noch einmal bekräftigt, dass das Land diese Brücke fördern werde. Man rechnet mit 18 Mio. für die Brücke. Die könnte/müsste dann die Stadt allein schultern. Kann sie das. Ein klares Nein. Dies vor allem vor dem Hintergrund, dass der Kämmerer Ende des Jahres die RWE-Aktien wertberichtigen muss. Mit über 70 € gingen die rund 9,4 Mio. Aktien in die Eröffnungsbilanz der Stadt ein, heute stehen sie bei unter 30 €. Eine marktangepasste Wertberichtigung bedeutet die sofortige Überschuldung der Stadt.