Auf dem Weg zu einem Sozialen Arbeitsmarkt

Der MVG-Begleitservice – man hatte sich daran gewöhnt – läuft aus, weil die Bundesfinanzierung Ende des Jahres eingestellt wird. Im Mülheimer Diakoniewerk Arbeit und Kultur fallen aus demselben Grunde 70 Stellen weg.

Bundesweit ist der Arbeitsmarkt gut. Nicht positiv ist er für die rund 1,1 Mio. Langzeitarbeitslosen. 50% von ihnen sind länger als 2 Jahre ohne Arbeit, mehr als die Hälfte hat keinen Berufsabschluss. Sehr oft kommen noch weitere Handicaps hinzu. Von den rund 6.500 Arbeitslosen in Mülheim sind 4.950 langzeitarbeitslos, das sind rund 75%. Im Kern geht es in der Arbeitsmarktpolitik um die Frage: Wie eröffnet man den Langzeitarbeitslosen eine unbefristete Jobperspektive?

Hier gibt es zwei „Denkschulen“. Die eine plädiert für einen sogenannten Sozialen Arbeitsmarkt, der alle nicht in den ersten Arbeitsmarkt Vermittelbaren aufnimmt und ihnen unbefristet eine Beschäftigung gibt. Die zweite erachtet dies für allzu resignativ und ist weiterhin bestrebt, die Langzeitarbeitslosen über Qualifikation in den ersten Arbeitsmarkt zu führen. Das eine schließt allerdings das andere nicht aus.

Zwei Punkte sind angesichts der Erfahrungen mit unzähligen Maßnahmen wesentlich:

1. Wir müssen die Menschen im „realen Leben“, sprich in Firmen unterbringen, die sich tatsächlich am Markt bewegen. Dies zum einen, weil alle Maßnahmen, in denen man Langzeitarbeitslose zusammenfasste, gemessen am gesetzten Ziel gescheitert sind. Die Vermittlungszahlen erwiesen sich stets als allzu gering. Zum zweiten: Das Scheitern ist auch dem unrealistischen Ziel geschuldet.

2. Die begleitende Betreuung muss enger und individueller werden. In Mülheim macht das U-25-Haus vor, wie so etwas erfolgreich funktionieren kann. Hier sollte man für die Betreuungssystematik schlicht „abkupfern“.

Darüber hinaus ist ein Sozialer Arbeitsmarkt perspektivisch unabdingbar. Hier hat der Geschäftsführer des Diakoniewerkes Ulrich Schreyer vollkommen Recht. In der SPD-Bundestagsfraktion sind die Überlegungen zu einem Sozialen Arbeitsmarkt bereits weit vorangekommen. Ihn wirklich zu etablieren ist angesichts der politischen Kräfteverteilung in der Koalition allerdings nicht einfach.