Antrag der Linken: Kältemittel R1234yf aus dem Verkehr ziehen

Vizepräsidentin Petra Pau:
Das Wort hat der Kollege Arno Klare für die SPD-Fraktion.

(Beifall bei der SPD)

Arno Klare (SPD):
Frau Präsidentin! Sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Wenn man die Frage stellt – die wird ja in diesem Hause sehr oft gestellt –, wer eigentlich der Böse hier im Spiel ist, dann ist sie chemisch sehr leicht zu beantworten. Kollege Kühn, ein Cocktail ist das eigentlich nicht; das ist C3H2F4. Die chemische Formel ist relativ simpel; da wird nichts zusammengeschüttet, das großartig an einen Cocktail erinnerte.

(Stephan Kühn [Dresden] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Trinken würde ich es nicht! –

Josef Göppel [CDU/CSU]: Die Kohlenstoffbindung ist das Problem!)

Der Bösewicht ist dieser Formel ist das F, nämlich Fluor. Das ist in der Tat ein Mittel, mit dem man ganz viel hexen kann, zum Beispiel, wenn es brennt und mit Wasser in Berührung kommt usw. Es ist richtig: Da entstehen Fluorwasserstoff und Carbonylfluorid – ein Analogon zu Phosgen –; das ist gerade schon genannt worden. Das ist also in der Tat nicht ganz ungefährlich. Das neue Mittel hat den gewaltigen Vorteil, dass es in die Altanlagen, die Bestandsanlagen eingefüllt werden kann, in denen im Moment der Klimakiller drinsteckt, das Verhältnis ist 1 430 zu 4,4. Das ist schon ein gewaltiger Unterschied – darauf ist gerade schon einmal hingewiesen worden –, was die Klimawirksamkeit angeht. Das gelingt mit CO2 natürlich nicht. Insofern ist die Frage, wer eigentlich politisch verantwortlich bzw. der Böse ist, schon etwas komplizierter zu beantworten. Die EU hat den durchaus sinnvollen Schritt beschlossen, das Limit bei einem Wert von 150 zu ziehen. Dann hat man ein Mittel entwickelt, dessen GWP-Wert bei 4,4 liegt. Die Industrie bedient sich nun dieses Mittels, zumal es in die bestehenden Anlagen eingebaut werden kann. Wer sich
die neuen CO2-Anlagen einmal anschaut, die bis 100 Bar gesichert sind, wird feststellen: Wenn diese 100 Bar sich entspannen, wie man so schön sagt, dann ist das ein ziemlich explosiver Vorgang. Das muss man sich nicht so ganz ungefährlich vorstellen.

Ich bin durchaus der Meinung, dass man zum Einsatz von CO2 kommen muss. Ich bin jetzt nicht gerade ein Verfechter von R1234yf, also von Tetrafluorpropen, so heißt das Mittel. Aber ich bin auch nicht dafür, dass man dieses Limit, 1. Januar 2017, verschiebt, sondern ich bin dafür, dass man das jetzt erst einmal einbaut. VW und andere Hersteller haben ja gesagt, sie werden eine Löschanlage einbauen, die mit Argon arbeitet und die Flammen löscht, wenn etwas passiert. Übrigens hat sich bei allen anderen Herstellern außer Daimler, die Versuche bei den brennenden Fahrzeugen gemacht haben, das, was bei Daimler passiert ist, nicht wiederholt. Es ist also nicht verifiziert worden. Das scheint auch mit der Bauart der Motoren von Daimler und mit der Aufteilung des Motorraums zu tun zu haben.

Insofern wird die Zukunft sicherlich dem CO2 gehören. Aber im Moment ist dieses alte Mittel vorübergehend, denke ich, noch einmal einsetzbar, und es hat, was die Klimawirksamkeit angeht, auf jeden Fall einen wesentlich geringeren Impact. Deshalb werden wir diesen Antrag ebenfalls ablehnen.

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)